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Bergbau gab es tatsächlich in Moitzfeld

Der Bergbau förderte die Zunahme der Einwohnerzahl sowie den Wohnungs- und Straßenbau.

Bis zur Erstellung des Eisenbahnanschlusses (1870) sorgten Pferdefuhrwerke für den Transport des verhütteten Erzes zum Hafen nach Mülheim.

Die Blüte des Bergbaus war jedoch nur von kurzer Dauer. Etwa 30 Jahre bestanden die kleineren, 50 – 70 Jahre die größeren Gruben. Man förderte Zinkblende, Bleiglanz und Kupfer.

In der Umgebung von Bensberg zählte man 28 Gruben in denen 1861 bereits 1.885 Männer beschäftigt waren.

Auf dem Gebiet von Moitzfeld waren es die

Die Grube Weiß beschäftigte etwa 450 Arbeiter (1910 noch 360 Arbeiter).

An die Grube Berzelius war die Grube Georg Forster angebunden.

1907 lag der Bergbau im Bensberger Erzrevier in der Hitliste für die Weltproduktion

5. Stelle für Zinkerz
11. Stelle für Bleierz

Nach dem 1. Weltkrieg fielen drastisch die Weltmarktpreise und führten letztendlich zur unwiderruflichen Stillegung des Bergbaus in Moitzfeld.

Im Bensberger Raum schloß die Grube Lüderich bei Altenbrück/Unterschbach als letztes Bergwerk am 31. Oktober 1978 und stellte ihren Betrieb ein.

Dass der Erzbergbau in Moitzfeld und Umgebung auf die Römerzeit zurückgehen und sich von da an bis ins hohe Mittelalter hielt, kann man allenfalls vermuten. Schlüssige Dokumente existieren hierfür jedoch nicht.

Sicher aber ist, dass an der Wende vom 15. auf das 16. Jahrhundert bekannt war, dass hier Erze im Boden ruhten.

Am 23. August 1512 erteilte Herzog Johann der Friedfertige von Berg, den Herren Hans Unger und Rütger Osthoff das Recht, „auf dem Hohn" im Kirchspiel Bensberg nach Erz zu graben. Mit der Bezeichnung "auf dem Hohn" dürfte im weitesten Sinne die spätere Grube Weiß gemeint sein.

Eine andere Urkunde aus dem Jahre 1518 belegt, dass auch ein Johan up dem Stryck beim Königsforst die Erlaubnis erhielt, beim Lüderich Erz zu schürfen.

Bei der Auffindung eines längst in Vergessenheit geratenen alten Stollens auf dem Lüderich ist um 1900 "Gezähe", ein bergmännisches Hauwerkzeug aus Eichenholz gefunden worden, das aus der Anfangszeit des Bergbaus stammen könnte.

Schwerpunkt der Erzgewinnung und -verhüttung im Herzogtum Berg war bis in die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts das oberbergische Eckenhagen. In dieser ersten Blütezeit des Bergbaus im 16. Jahrhundert im Herzogtum Berg wurden neben den Gruben im Oberbergischen nachweislich auch bereits Bergwerke auf dem Hohn und beim Lüderich nahe Bensberg betrieben.

Ob es an der wachsenden Konkurrenz der höherwertigen Siegerländer Erze, an der Erschöpfung der Bergischen Vorkommen oder an den Kriegswirren (30-jähriger Krieg) lag, jedenfalls kam der Erzbergbau im Herzogtum Berg für ungefähr hundert Jahre vollständig zum Erliegen.

Ganz in Vergessenheit geraten war das Wissen um die erste Blütezeit des Bergbaus im Bergischen jedoch nicht. Herzog Jan Wellem, bei seinen Untertanen allseits beliebter Erbauer des Bensberger Schlosses, ließ 1692 durch seine Beamten Nachforschungen nach den Resten des verschollenen Bergbaus anstellen.

Seine Nachfolger auf dem Herzogsstuhl, Karl Philipp und Karl Theodor, waren bestrebt, im Herzogtum Berg nach einem finsteren Jahrhundert Handel und Gewerbe wieder in Gang zu setzen.

Sie beschritten in ihrer Wirtschaftspolitik neue Wege und stellten sich damit auf das heraufdämmernde Industriezeitalter ein. Sie verzichteten auf das überkommene Recht der Landesherren, Bodenschätze auf eigene Rechnung heben zu lassen, das sogenannte "Bergregal". Sie überließen die wirtschaftliche Initiative, aber auch die damit verbundenen Risiken, ihren Untertanen.

Ein Antrag an die herzogliche Regierung in Düsseldorf, der ohne Ansehen der Person des Antragstellers und seines sozialen Standes binnen weniger Wochen zur Ausfertigung einer Konzession, des sogenannten "Mutscheines", führte, eröffnete jedermann die Möglichkeit, im Bergbau sein Glück zu versuchen.

Die so gewonnene neue 'Bergfreiheit' stachelte die Schürfwut der Bergischen Untertanen um so mehr an, als bekannt wurde, dass der Bauer Peter Kauert aus Drabenderhöhe heimlich eine in Vergessenheit geratene alte Grube wieder geöffnet und im Lauf von zehn Jahren mit der Förderung von Eisenerz ein ungeheures Vermögen gemacht hätte. Den schuldigen Förderzehnt (Konzessionsabgabe) hatte er allerdings nicht an den Landesherren abgeführt. Das erklärt wohl die Geheimhaltung.

Infolge dieser Umstände brach im Bergischen ein regelrechtes Schürffieber aus.

Gab es im Bergischen zu Beginn des 18. Jahrhunderts noch 10 Bergwerke, so waren es am Ende des Jahrhunderts 372.

In den knapp hundert Jahren zwischen 1717 und 1812 wurden 417 „Mutungen" durchgeführt.

Die Bergischen steckten eine Unmenge an Arbeit und Geld in derartige Unternehmungen. Viele dieser Klein- und Kleinstbergwerke verfielen allerdings wieder, bevor sie den erhofften Gewinn abgeworfen hatten. Am Ende der hoffnungsvollen Mutung manch eines Glücksritters stand der Zwang zum Verkauf von Konzession, Gerät und Grund und Boden.

In unserer Gegend versuchte als erster der Hofrat Philipp Andreas Gumpertz, ein herzoglicher Beamter, sein Glück. Er beantragte eine Mutung "zwei Stunden um Bensberg herum" für die Mineralien Eisen, Kupfer, Blei und Quecksilber und erhielt am 3. September 1740 die gewünschte Konzession. Er grub im Milchborntal auf Quecksilber. Seine Grube "Idria" war tatsächlich erfolgreich.

In rascher Folge wurde von verschiedenen Mutern nun eine Serie von Grabungen eingeleitet, von denen manche heute nur noch dem Namen nach bekannt, deren Reste in der Örtlichkeit jedoch kaum noch aufzufinden sind.

Unter ihnen waren die Grube "Luther" (1763), "Am harten Knippen" (1773), "an der Strasse von Bensberg nach Herkenrath" (ebenfalls 1773; vermutlich Zusammenhang mit dem späteren Grubenfeld Weiß) sowie verschiedene im Kirchspiel Immekeppel (ab 1780).

Alle diese Gruben waren winzige Privatbetriebe mit geringer Belegschaft und von wenig langer Lebensdauer. Diese Art des Bergbaus glich mehr einem Handwerk als einem nach rationellen Grundsätzen wirtschaftenden Industriebetrieb.

Nach der Eröffnung der Bergfreiheit und dem ersten Montan-Boom infolge breit gestreuter Kleinkonzessionen verflossen wieder rund 100 Jahre, bis der hiesige Bergbau seine industrielle Ausprägung fand.

Für eine systematische Ausbeutung waren moderne Geräte und Maschinen erforderlich, und diese wiederum verlangten Kapital.

Die Stunde der anonymen Kapitalgesellschaften schlug in unserem Raum zuerst den Anlagen im Sülztal. Die französische Societe d'Antonius Charles Rochaz kaufte sich 1837 am Lüderich ein, erwarb 1846 die Gewerke in Immekeppel und wurde auch in der Grube Julien in Bensberg-Kaule tätig.

Die Grubenfelder und -anlagen gingen schon kurz darauf in den Besitz der belgischen Societe Anonyme du Vieille Montagne, zu Deutsch „AG des Altenbergs", über. Bis 1861 kaufte diese Gesellschaft weitere 13 kleinere Gruben hinzu, fasste sie technisch und organisatorisch zusammen und baute den Lüderich zu einem industriellen Grossbetrieb mit angeschlossener Aufbereitung aus.

Gewonnen wurde vor allem Zink, das erst neuerdings durch die Einführung neuer Schmelzmethoden überhaupt verhüttet werden konnte. Eisen, Kupfer, Silber und Quecksilber spielten keine Rolle mehr, Blei nur noch in geringem Umfang.

Mit den überkommenen Gruben im Volbachtal ging es ähnlich. Die Gewerkschaft "Berzelius", die seit 1851 das gleichnamige Grubenfeld unterhalb Herweg/Ehrenfeld bearbeitete, erwarb 1867 die Zinkhütte in Bergisch Gladbach hinzu und vereinigte in ihrer Hand Förderung, Aufbereitung und Verhüttung.

Als dritte größere Gesellschaft trat die "Rheinisch-Nassauische Bergwerks- und Hütten AG" auf den Plan. Sie erschloss das Grubenfeld Weiß und baute diese eigentliche Moitzfelder Grube zu einem großen Betrieb aus, der durchaus nach industriellen Maßstäben wirtschaftete. Unter ihrem späteren Namen "Stolberger Zink" ist diese Gesellschaft vielen Einheimischen auch heute noch ein Begriff.

Infolge des Kapitalzuflusses und der Konzentration der Betriebe kam es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zur Neugründung einer ganzen Reihe von kleineren Gruben, die sich an die genannten Grossbetriebe anlehnten.

Im technischen wie im wirtschaftlichen Sinne verflochten mit der Grube Berzelius, die als Grube "oberhalb von Moitzfeld' galt und deren Halbfabrikat mit Pferdefuhrwerken die Wipperfürther Strasse hinab durch Bensberg zur Zinkhütte nach Gladbach gekarrt werden musste, waren die Gruben Columbus, Georg Forster und Apfel im Volbachtal.

Zur Grube Weiß gehörten die Zweigbetriebe Blücher, Jungfrau, Washington und Leopold von Buch. Von hier aus musste das ausgelöste Metallpulver zum Bahnhof Bensberg, später zum Bahnhof Untereschbach geschafft und dort in Waggons umgeschlagen werden.

Im Jahre 1881 wurden in unserer engeren Heimat 28 Gruben betrieben, in denen 2.348 Personen beschäftigt waren. Zusammen mit ihren 4.596 Familienangehörigen machten diese fast 7.000 Menschen aus, die in dieser Zeit unmittelbar vom Bergbau lebten. Nicht eingerechnet ist in diese Zahl die beachtliche Menge von Angehörigen anderer Berufe, die mittelbar, z.B. als Fuhrleute und Holzlieferanten, vom aufblühenden Bergbau profitierten.

Der industriell betriebene Erzbergbau riss unsere dörfliche Heimat mit einem Schlag aus ihrem bisherigen Dornröschenschlaf heraus. Die Bensberger Montanindustrie war, was die Anzahl der Arbeitsplätze anlangt, zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten der Gladbacher Papierindustrie geworden.

Der wirtschaftliche Aufschwung der Region hatte aber auch unliebsame Folgen.

Die ausgebeutete Landschaft wandelte ihr Bild von der ländlichen Idylle in wahre Geröllwüsten bei den Halden der Grube Weiß auf dem "Ravesack" und im Freudental bei der Grube Berzelius

Die Kamine der Maschinenhäuser pusteten ihren Qualm ungefiltert und ungestört in den Wind. Aus den Abraumhalden wusch der Regen mineralische Rückstände aus und führte den Wasserläufen giftige Lösungen zu.

Ein Dammbruch des Klärteiches der Grube Weiß führte 1932 zu einer Katastrophe. Klärschlamm überflutete die talabwärts gelegenen Wiesen und Weiden und machte sie für lange Zeit unbrauchbar. Vieh verendete, Gehöfte wurden verwüstet. Die Schlammflut wälzte sich das Eschbachtal hinunter nach Untereschbach und richtete auch dort großen Schaden an.

Die Männer, vor allem junge Leute und häufig ohne Berufsausbildung, zog es als Hauer in die Gruben, wo zwar schwerste körperliche Arbeit zu verrichten war, aber auch Geld verdient werden konnte. Da entsprechende Schutzvorrichtungen anfangs fehlten ereilte viele von ihnen mit kaum mehr als 40 Jahren die tödliche Staublunge. Die häufige Folge davon war eine unversorgt zurückbleibende kinderreiche Familie, die nun erst recht auf ihre "Bergmannskuh", die Ziege, und den Garten zur Selbstversorgung lebensnotwendig angewiesen war.

Die Arbeitsbedingungen unter Tage waren sehr hart. Die Männer trugen dabei blauleinene Hosen und Kamisols, auf dem Kopf simple Filzhüte. Schutzkleidung, zumal Helme zur Abwehr herabstürzender Gesteinsbrocken, waren unbekannt. Entsprechend häufig und schwer waren die Grubenunglücke in jener Zeit.

Die Arbeit der Bergleute wurde noch dadurch erschwert, dass sie in der Regel weite Wege zu ihrer Grube zu Fuß zurückzulegen hatten. Im Dezember 1857 dauerte der Arbeitstag des Bergmanns vor Ort acht Stunden.

In diesem Dezember teilte eine der hiesigen Bergwerksgesellschaften ihrer Belegschaft mit, vom 1. Januar 1858 an werde die tägliche Arbeitszeit auf 12 Stunden heraufgesetzt. Diese Maßnahme war der Anlass, dass die empörten Arbeiter mehrerer Gruben am 2. Januar ihre Arbeit niederlegten und sich zu einem Protestmarsch zum Sitz der Grubenverwaltung in Bensberg formierten.

Bei dem so ausgelösten sozialen Konflikt konnte sich die Bergwerksleitung ‚jedoch mit dem Argument durchsetzen, dass außer im Bensberger Revier überall im Bergbau der 12-Stunden-Arbeitstag üblich sei. Die Behörden nahmen übrigens bei dieser Auseinandersetzung Partei für die Bergwerkseigner, da deren Argument offensichtlich der Wahrheit entsprach und die öffentliche Ordnung durch die Zusammenrottung der Bergleute gefährdet erschien.

Für viele Bergleute bedeutete dieser Ausgang des Arbeitskonfliktes wegen der weiten Anmarschwege eine tägliche 14-stündige Abwesenheit von ihrer Familie. Die Frauen hatten neben der Versorgung von Haushalt und Kindern auch das Betreiben der Kleinlandwirtschaft zu bewerkstelligen.

Selbstverständlich besserte sich die Lage der Bergarbeiter gegen die Jahrhundertwende infolge des technischen Fortschritts, aber auch infolge des geschärften sozialen Bewusstseins und der Sozialgesetzgebung. Auch die Gesellschaften selber erkannten im Lauf der Zeit die Brisanz der sozialen Frage. Die Hessisch-Nassauische Bergwerksgesellschaft errichtete z.B. "in Platz eine Bergarbeitersiedlung mit 25 Wohnungen". Damit sind die Wohnhäuser rund um den Erlenhof gemeint sind.

Bevor jedoch alle sozialen Maßnahmen zur vollen Auswirkung gelangen konnten, war die späte dritte Blüte des Bergbaus in Moitzfeld wieder vergangen.

Das Grubensterben infolge mangelhafter Ausbeute erfasste zunächst die kleineren Zweigbetriebe. 1924 stellten Berzelius und Georg Forster ihren Betrieb ein. Der Niedergang der Gruben fiel mit der ersten großen Rezession und Weltwirtschaftskrise unseres Jahrhunderts praktisch zusammen. Massenarbeitslosigkeit und Massenelend waren die Folge.

1930 ereilte die Grube Weiß das gleiche Schicksal wie Berzelius. Der Bergbau unter Tage in Moitzfeld war erloschen.

Einzig die Grube Lüderich (heute ein Golfplatzgelände) konnte sich in den folgenden Jahrzehnten noch halten, bis auch sie 1978 das Handtuch werfen musste.

(Textliche Überarbeitung einer Schrift „aus Anlass der Einweihung der Seilscheibe der ehemaligen Grube Weiß" in Moitzfeld, Franz Josef Heyberg, 18. Mai 1983)